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She Figures 2024 veröffentlicht – Deutschland auf drittletztem Platz europaweit bei Gleichstellung in der Wissenschaft

12.03.2025

Am 11. Februar 2025, dem Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft, hat die Europäische Kommission die She Figures 2024 veröffentlicht ("She Figures 2024. Gender in Research and Innovation: Statistics and Indicators).

She Figures berichtet regelmäßig über Karriereentwicklungen und -chancen für Frauen und Männer in der Wissenschaft und Forschung. Der Report der EU-Kommission ist ein Monitoring zur Geschlechtergleichheit in Forschung & Innovation innerhalb und außerhalb von Europa und liefert kontinuierlich Angaben zur tatsächlichen Situation.

Der aktuelle She Figures Report 2024 zeigt auf, dass sich Frauen immer noch in der sogenannten „leaky pipeline“ bewegen: zwar hat sich die Situation gebessert, der Anteil von Frauen in der Wissenschaft nimmt aber mit zunehmender Karrierestufe deutlich ab, d.h. die Gleichstellung in Forschung und Innovation in Europa kommt nicht schnell genug voran und Frauen sind bei Karrieren und in Führungspositionen in Naturwissenschaften, Technik, Ingenieurwesen und Mathematik nach wie vor auffallend unterrepräsentiert.

Die She Figures 2024 sind in 7 Kapitel gegliedert, die der chronologischen Abfolge einer Forschungskarriere entsprechen sollen. Vorangestellt ist eine Executive Summary.

1. Introduction
2. The pool of graduate talent,
3. Participation in science and technology occupations,
4. Labour market participation of researchers,
5. Working conditions of researchers,
6. Career advancement and participation in decision-making,
7. Research and innovation output.

Neu an der aktuellen Ausgabe ist der She Figures Index. Darin fließen sechs Dimensionen für Ungleichheit ein: "segregation in the talent pipeline, research careers and sectors; career progression, representation in decision-making positions, research participation, and the gender dimension in R&I content (GDRIC)". Mittels dieses neuen Index soll es künftig möglich sein, den Fortschritt der Mitgliedstaaten hinsichtlich Geschlechtergleichstellung in Forschung und Innovation zu messen und im Zeitablauf zu verfolgen.

Die Indexwerte können für jede der Dimensionen theoretisch von 0 bis 100 betragen, wobei 100 bedeuten würde, dass Geschlechtergleichstellung vollkommen erreicht ist. Der She Figures Index 2021 bewegte sich noch zwischen 56 und 88 Punkten; für 2024 hat sich das Spektrum leicht verringert auf 60 bis 88 Punkte. Deutschland teilt sich mit einem Wert von 62,8 den drittletzten Platz zusammen mit Malta, kurz vor Zypern mit 62,7 und Luxemburg mit 60,1 Punkten. Den höchsten Wert erreicht Schweden mit 87,6 Punkten.

Ein wesentlicher Grund für das schlechte Abschneiden Deutschlands in diesem Index ist die sehr niedrige Bewertung der "Gender dimension in research and innovation content" (GDRIC) mit nur 14,2 Punkten. Damit wird die besonders hohe Verbesserung in Deutschland in der Dimension "decision-making" um 26 Punkte und die solide Verbesserung in der Dimension "career progression" um 6,5 Punkte faktisch zunichte gemacht.

Wesentliche Ergebnisse des Berichts (vgl. Zusammenfassung ab S. 222f.):

  • Frauenanteil an wissenschaftlichem Personal

Während Frauen noch mehr als die Hälfte der Bachelor- und Master-Studierenden (knapp 55 %) bzw. Graduierten (gut 58 %) ausmachen und noch fast die Hälfte aller Promotionen für sich verbuchen (48 %), sinkt ihr Anteil immer weiter, je weiter es die wissenschaftliche Karriereleiter hinauf geht. Besonders gering ist der Anteil von Frauen an Grade-A-Professuren. Insgesamt machen Frauen europaweit 43,6 % des Hochschulpersonals aus (in DE 41,8 %).

  • Frauenanteil an Grade-A-Positionen, d. h. an den höchstdotierten Professuren (in DE sind das W3/C4)

EU-weit hat nur ein geringer Anstieg stattgefunden, was den Anteil von Frauen in Grade-A-Positionen (also W3/C4) angeht: von 27,3 % im Jahr 2019 auf 29,2 % im Jahr 2022. Deutschland findet sich mit 23,8 % deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 29,2 %. Den höchsten Frauenanteil findet man in Rumänien (51,4 %), Türkei (49,4 %) und Russland (47,8 %). Dabei ist zu bedenken, dass der Anteil von Personen, die eine Grade-A-Position innehaben, am gesamten Hochschulpersonal in DE sehr viel niedriger als im EU-Durchschnitt ist.

  • Glass Ceiling Index

Der Glass Ceiling Index zeigt, wie viel schwieriger es für Frauen ist, in die höchsten Positionen im Hochschulsystem aufzurücken. Im EU-Durchschnitt ist der Indexwert von 1,42 zuletzt gleich geblieben. Für DE ist der Wert im gleichen Zeitraum etwas besser geworden: Von 1,69 für 2019 hat er sich auf 1,58 für 2022 reduziert. Am besten schneiden hier die Türkei, Bulgarien und Malta mit Werten nahe 1 ab.

  • Frauenanteil an Hochschulleitungen

Auch der Anteil der Frauen, die Hochschulen leiten, ist geringer als der von Männern. Im EU-Durchschnitt beträgt der Frauenanteil an Hochschulleitungen rund 22 %, DE liegt mit fast 30 % inzwischen darüber. Die höchsten Frauenanteile verzeichnen derzeit die Türkei mit fast 59 % und Island mit genau 50 %.

Die She Figures erscheinen alle drei Jahre, die aktuelle Ausgabe ist bereits die achte. Sie beruhen auf Eurostat-Daten. Alle Zahlen beziehen sich auf weiter zurückliegende Jahre, in der aktuellen Ausgabe i. d. R. auf die Jahre 2021 oder 2022. Auf einer gesonderten Internetseite sind alle Informationen zu den She Figures gesammelt; dort kann man sich u. a. auch Werte für einzelne Länder anzeigen lassen.

SheFigures 2024

European Commission: Directorate-General for Research and Innovation, She figures 2024 – Gender in research and innovation – Statistics and indicators, Publications Office of the European Union, 2025, https://data.europa.eu/doi/10.2777/592260

SheFigures 2024 The Road to Gender Equality in R&I - Germany